Aus dem Bauch heraus

Wozu braucht man das Gefühl? fragen die Einen. Vergiss den Verstand, sagen die anderen. Brauchen Entscheidungen überhaupt Gefühl? Natürlich! Was sonst! Wir sind doch schließlich aufgeklärte Menschen und nicht so naiv wie Menschen, die einfach alles glauben, was Meinungsmacher von sich geben. Wirklich?

Welche Requisiten braucht der Mensch in seinem Lebenskoffer für gute Entscheidungen und gelingendes Leben? Führt allein logisches Denken zu einer Entscheidung oder sollen wir nicht zuerst auf unser Herz hören, wenn es um wichtige Entscheidungen geht?

Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten aber Neurowissenschaftler sind sich einig, dass Gefühle den Verstand bei seiner Entscheidungsarbeit unterstützen und deshalb unverzichtbar sind.

Es lebe die Vernunft

Es gibt immer den traditionellen Weg der Vernunft. Hier findet sich ein großer Teil des strategischen Denkens wider. Kopfmenschen durchdenken und analysieren jede Herausforderung und sind stolz auf ihren klaren Verstand. Nach der Entscheidungstheorie der „höheren Vernunft“ werden viele Informationen gesammelt und bewertet, bis sich eine richtige Lösung entwickelt hat. Hier stellt sich die große Herausforderung, einen angemessenen Zeitpunkt für eine Entscheidung zu finden. Im normalen Alltagswahnsinn muss fast jeder Vernunftmensch anerkennen, dass er niemals alle Informationen zur Verfügung gestellt bekommt, die seine Suche nach ausreichenden Informationen einstellen lässt. Viele Kopfmenschen stehen in der Gefahr, mehr Zeit als angemessen zu investieren. Das Wort „Entscheidungsstau“ könnte jetzt in ihren Gedanken auftauchen und ein bestimmtes Gefühl in Ihnen hervorrufen.

Gefühl? Ja, Gefühl!

Ein Hoch auf die Intuition

Der amerikanische Neurologe Antonio R. Damasio weist darauf hin, dass das Gehirn sich nicht immer an die reine Vernunft hält. Vor allem, wenn Menschen sich in Sekundenschnelle entscheiden müssen. Er untersuchte hirnverletzte Patienten und musste feststellen, dass rationale und vernünftige Entscheidungen nicht möglich sind, wenn Zonen der rechten Gehirnhälfte beschädigt sind. In der rechten Gehirnhälfte werden im limbischen System, vor allem im Mandelkern, Informationen aus dem Körperinneren verarbeitet.  Damasio sagt, „dass die Vernunft möglicherweise nicht so rein ist, wie die meisten Menschen denken oder wünschen, dass Gefühle und Empfindungen vielleicht keine Eindringlinge im Reich der Vernunft sind, sondern zu unserem Vor- und Nachteil in ihre Netze verflochten sein könnten.“

Das klingt ein wenig kompliziert, ist aber nichts anderes als ein Lob auf die menschliche Intuition. Mir fallen sofort viele Beispiele ein. Wenn meine Kinder mich mit großen Augen angeschaut haben und mir irgendwelche Märchen erzählen wollten habe ich sofort gespürt, dass diese kleinen Quälgeister mir nicht die Wahrheit sagten. Oder wenn ich als ahnungslose Kundin eine Krankenversicherung oder einen Handyvertrag benötige kann ich aus meinem Verstand heraus nicht beurteilen, ob der Berater die Wahrheit sagt, oder nicht. Dennoch habe ich ein „gutes“ oder ein „schlechtes“ Gefühl, das ich mit meinem Verstand nicht erklären kann.

Ich selber war viele Jahre Wertpapierberaterin und musste mich damit abfinden, dass ich für die meisten Kunden im Erstgespräch eine „Verbrecherin“ war. Das habe ich ihnen nicht übel genommen, weil viele von ihnen schlechte Erfahrungen gesammelt haben. Dennoch „fühlten“ sich die ersten Beratungsminuten für beide Seiten nicht gut an.

Und wer entscheidet sich aus vernünftigen Gründen für seinen Ehepartner? Das wäre vielleicht manchmal besser, passiert aber fast nie.

Fazit:

Für viele Fragen des Lebens gibt es nicht den perfekten Tipp oder den passenden Ratgeber.

Gefühl und Verstand bilden eine muntere Truppe, die viel Raum im Denken benötigen. Manchmal kämpfen sie um Platzvorteile aber es kommt immer darauf an, dass beide sinnvoll eingesetzt werden, um Lebensziele zu erreichen. Es gibt keine Garantie für richtige Entscheidungen und Fehler gehören zum Leben. Um kluge Entscheidungen treffen zu können brauchen wir beides: einen klaren Verstand und ein warmes Herz!

Ist doch logisch, oder?

Wer schreibt hier:

Monika Bylitza ist Autorin, Kommunikationstrainerin und Coach. Zu ihren großen Leidenschaften gehört es, Menschen zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen und darin Freiheit zu entdecken.

Mehr unter: www.monika-bylitza.de/

Aus: Monika Bylitza: Coaching to go, www.neukirchener-verlage.de